In den zahlreichen Tiroler Gemeinschaftsgärten (https://gemeinsam-garteln.tirol/gaerten) gibt es neben der bunten Vielfalt an Gemüse- und sonstigen Pflanzen vor allem eines: Menschen unterschiedlichsten Alters und Ausbildung, die über verschiedenste Fertigkeiten und einen vielfältigen Erfahrungs- und Wissensschatz verfügen. Damit dieser nicht brach liegt, sondern sich gleich den Samen einer seltenen Pflanze über die Gartenzäune hinaus fortpflanzen kann, entstand die Idee, ein Bildungsprogramm „Grüne Lernorte Gemeinschaftsgärten“ zu organisieren. Die Initiatorinnen des Projekts waren dabei Petra Obojes-Signitzer von der Servicestelle Gemeinschaftsgärten sowie Christiane Moser vom Gemeinschaftsgarten Bunte Daumen in Kufstein.

Dieses Bildungsprogramm leistet dabei u.a. Folgendes:

  • Etablierung und Stärkung der Gemeinschaftsgärten als Bildungs- und Begegnungsorte
  • Vernetzung der Gemeinschaftsgärten untereinander, auch zwischen Nord- und Südtirol
  • Sichtbarmachung der Fertigkeiten und des Wissens- und Erfahrungsschatzes
  • Öffnung der Gemeinschaftsgärten für die interessierte Nachbarschaft/Gemeindebewohner

Erstellen eines Bildungskataloges

In einer ersten Phase wurde ein Bildungskatalog mit ReferentInnen und möglichen Themen gesammelt - nicht weniger als 46 Workshop-Angebote von 19 ReferentInnen aus den Gemeinschaftsgärten konnten dabei gesammelt werden! Die angebotenen Themen sind sehr vielfältig: von Gartenpraxis über Umweltbildung bis hin zur Gruppenorganisation.

In einem weiteren Schritt konnten sich die Gemeinschaftsgärten online für ein bevorzugtes Thema anmelden –in jedem Monat des Gartenjahres soll ein Workshop in einem anderen Gemeinschaftsgarten stattfinden. Die Termine waren schnell vergeben, leider stehen hier fast zu wenige Monate zur Verfügung. Kosten entstehen den Gemeinschaftsgärten dadurch übrigens keine, die Servicestelle Gemeinschaftsgärten hat für das Bildungsprogramm um eine Förderung angesucht.

Die ersten Workshops fanden ab Mai statt

Der Start erfolgte dann nach einer Verschiebung im Mai im Gemeinschaftsgarten Custoza in Sterzing/Südtirol - gerade rechtzeitig, nachdem die ersten Lockerungen der Reisebeschränkungen in Kraft getreten waren. Thema war die Kompostierung im Gemeinschaftsgarten, als Referent durfte ich selbst vor Ort sein...  Nach einer kurzen Einführung in die Grundlagen der Kompostierung wurde gemeinsam eine Kompostmiete aufgesetzt und besprochen, auf was dabei geachtet werden muss. Nach gut 2 Stunden - gerade noch vor dem Regen - war der Haufen abgedeckt und die weiteren Schritte besprochen, schließlich braucht so eine Kompostmiete doch etwas Aufmerksamkeit.

Weiter ging es im Kemater Gart'l wo Referent Matthias Karadar (Natur im Garten Tirol) das Thema "Mischkultur im Gemüsebeet“ behandelte. Dabei wurden exemplarisch 4 Beete in Mischkultur bepflanzt und gesät, über die Vorteile und mögliche Folgekulturen von Mischkultur gesprochen. Die TeilnehmerInnen waren überrascht, wie viele Pflanzen so auf einem kleinen Beet untergebracht werden können - es waren über 100 Pflanzen und zusätzlich Samen von Buschbohnen, Karotten, Radieschen.

Der nächste Workshop fand im 2020 gegründeten Gemeinschaftsgarten Kunterbunt in Stams statt. Referentin war Sabine Sladky-Meraner (Grüne Schule/Botanischer Garten), Thema war das Hummel 1x1.

Die zahlreichen TeilnehmerInnen erfuhren dabei so einiges über Wildbienen und was diese für das Ökosystem leisten und was sie brauchen. Da der Gemeinschaftsgarten Kunterbunt ein wahres Blütenparadies ist konnten auch gemeinsam einige Hummeln eingefangen und bestimmt werden - um natürlich sofort wieder in die Freiheit entlassen zu werden. Selbst ein gewaltiges Gewitter konnte weder die Referentin noch die Teilnehmer aus der Ruhe bringen, Dank des überaus gelungenen Gartenhäuschens gab es zumindest etwas Schutz.

Auch beim nächsten Workshop am 26. Juni waren wieder die Hummeln und Sabine Sladky-Meraner gefragt - in Tarrenz im Gemeinschaftsgarten 3G wurde gemeinsam eine Nisthilfe für Hummeln gebaut. Wiederum gab es als Einstieg zahlreiche Fotos und nützliche Informationen über die fleißigen Brummer, die auch in Mäusegängen, Totholz oder einfach unter Grasbüscheln nisten können. Nachdem die ausschließlich weibliche Workshop-Runde ihre handwerklichen Qualitäten eindrücklich unter Beweis gestellt hatte, konnte zumindest ein erstes "Zimmer" im "Hummel-Hotel" eingerichtet werden. Um ein großes Wildbienenhotel fertig zu stellen, braucht es viel Material und Zeit - das war jedenfalls auch eine Erkenntnis des Vormittags. Dies alleine zu bewerkstelligen scheint kaum möglich, daher ist es ein perfektes Thema in einem Gemeinschaftsgarten mit vielen fleißigen Händen.

Eine Gemeinsamkeit haben alle bisherigen Workshops: das besondere Ambiente der vielfältigen Gärten, die zu dieser Jahreszeit bereits ihre volle Blütenpracht entfalten. Etwas Wetterglück braucht es natürlich, aber als GärtnerIn ist man ohnehin wetterfest und so einiges gewöhnt...

Wir sind gespannt, was die weiteren Workshops noch bringen - weiter geht es am 7. August im innsNeueGART'l mit dem Thema "Wildkraut – Unkraut? Essbar? Giftig? Eine Entdeckungsreise im Garten" und der Referentin Lydia Bongartz.

Im Herbst werden wir in einem zweiten Teil des Artikels über die restlichen Workshops berichten.